Viel Wasser ohne Wasserfall

Wir bleiben vorerst nicht lange in Taiohae da wir die Insel umrunden wollen. Wir fahren am nächsten Tag in die Daniel`s Bay, einer wunderschönen Bucht im Südwesten der Insel. Die Zufahrt ist recht versteckt und man ahnt selbst direkt davor nicht, dass sich hinter der engen Felszufahrt eine recht große Bucht versteckt.

Von hier aus machen wir am nächsten Morgen eine Wanderung zu dem drittgrößten Wasserfall der Welt. Das Wetter ist regnerisch, aber wir lassen uns davon nicht abschrecken. An der Bucht entlang geht es weiter durch ein Tal mit einem alten Dorf, einige Häuser sind noch oder inzwischen wieder bewohnt und überall sind wunderschöne Gärten. Am Wegesrand stehen Pferde, die an Pflöcken festgebunden sind. Im Ort begleiten uns ein paar Hunde des Weges und verscheuchen wilde Schweine. Nach einer Weile muss der Fluss überquert werden. Da gleichzeitig eine Tour-Gruppe kurz vor uns auf dem Weg ist, schauen wir genau hin, wo sie lang laufen und worauf eventuell zu achten ist. Die Gruppe bleibt aber danach im Ort und der Tour-Guide erzählt etwas von vergangenen Zeiten. So laufen wir weiter und lassen die Gruppe hinter uns zurück.

Der Regen wird inzwischen immer stärker, egal, denken wir uns, der Regen ist warm und die Luft auch. Die zweite Flussquerung machen wir alleine. Wir erinnern uns an Dominica, wo wir ebenfalls eine Fluss-Wanderung unternommen hatten und an die Tipps, die Sea-Cat (unser damaliger Guide) uns gegeben hat. Hier ist der Fluss reißender als vorher und auch etwas tiefer. Fritze nimmt Mina an die Hand und gekonnt schaffen wir die Querung. Der Weg ist jetzt nur noch ein Trampelpfad durch den wunderschönen Wald. Den Blick für die Schönheit nehmen wir nicht immer wahr, da wir wegen des starken Regens meist mit gesenktem Kopf laufen. Am Wegesrand kennzeichnen kleine Steinmännchen den richtigen Weg. Der Boden ist teilweise aufgeweicht und hier und da bilden sich neue kleine Flüsse, die an manchen Stellen den Weg überspülen. Links und rechts ragen die Berge in unendliche Höhe hinauf.

Nach zwei Stunden erreichen wir alte gebaute Steinplateaus und andere Baureste, die plötzlich mitten im Urwald vor uns auftauchen. Hatten hier früher Menschen gelebt? Oder war dies ein heiliger Platz vergangener Zeiten? Weiter geht es und wir sehen bereits durch die Lichtungen den gewaltigen Wasserfall in der Ferne. Wunderschön! Er ist nicht breit, aber er rast aus wahnsinniger Höhe in die Tiefe und das Ende ist für uns noch nicht mal sichtbar.

Den Wasserfall sehen wir nur aus der Ferne

Den Wasserfall sehen wir nur aus der Ferne

Wir nähern uns wieder dem Fluss, man hört bereits das wilde Rauschen. Und dann stehen wir davor, ein wilder Fluss, an manchen Stellen sind große Steinblöcke, die von rasendem Wasser umspült werden. Fritze tastet sich vorsichtig mit einem Stock vorwärts. Ich rufe ihm zu, er soll lieber zurück kommen, das Risiko ist zu groß. Aber er schafft es und ist nach wenigen Minuten auf der anderen Seite angekommen. Ich muss schlucken, das traue ich mir nicht zu und Mina möchte ich auch nicht in diesem wild tanzendem Wasser sehen. Lucas tastet sich weiter oben im Fluss durch das wilde Nass und ihm versuchen die beiden Norweger zu folgen, die mit uns mitgekommen waren. Sie sind gerade halb durch den Fluss, da ruft eine aufgeregte Stimme hinter mir: „Stop! don`t go! It is to dangerous!“ Es war der Tour-Guide mit seiner Gruppe, der uns eingeholt hat. Er erzählt, dass der Fluss durch den vielen Regen zu hoch ansteigen würde und irgendwann eine Welle kommt, die sehr gefährlich ist. Er steigt in den Fluss und dirigiert unsere mutigen Flussquerer zurück an das Ufer, wo Mina und ich noch stehen und warten. Seine aufopfernde Art kommt selbst mir etwas übertrieben vor und irgendwie erwartete ich hier den Satz „You have to feel it with your heard!“  Die Polynesier scheinen gerne mit aller Energie ihre Gefühle auszudrücken. Auch für die Gruppe des Guides ist hier Schluss, sie gehen wie wir zurück ohne bis zum Wasserfall gekommen zu sein. Komplett durchnässt machen wir uns zügig auf den Rückweg. Nach insgesamt fast fünf Stunden Wanderung durch strömenden Regen, waren wir alle froh, wieder zurück an Bord zu sein. Wir machen es uns mit Tee für den Rest des Tages gemütlich.

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