Pazifiküberquerung: Zielgerade

Ein Blick auf unsere Bordcomputer bestätigt unsere Berechnungen: Morgen
werden wir die Marquesas sichten. Im besten Falle können wir noch
nachmittags den Anker werfen. Zur Zeit zeichnet sich aber eher ab, dass
wir erst am späten Abend, nach Sonnenuntergang, vor Ort sein werden.

Da die Navigation wegen Topografie und hoher Ankerliegerdichte nicht
ganz einfach sein soll, werden wir Alytes wohl in der Nacht noch etwas
entschleunigen, um erst am Sonntagmorgen bei gutem Tageslicht vor Anker
zu gehen.

Der Parasailor zieht uns mit sieben bis neun Knoten durch den Pazifik,
zur Zeit auf Position 09°32.6350S, 134°34.978W. Der Wind bleibt, bis auf
wenige Ausnahmen, zwischen 17 und 21 Knoten. Squalls hatten wir in den
letzten Tagen und Nächten nur wenige. Und die zogen mit wenig
Steuerkorrekturen an uns vorbei, ohne uns sehr zu stören.

In den letzten Tagen ging es entspannt wie immer zu. Es hat sich eine
weitere Dorade (1,20 m) zu uns gesellt und sich als Suschi präsentiert.
Den Rest gibt es heute aus der Pfanne mit einem Butter-Wein-Sößchen und
unseren letzten Kartoffeln.

Esteban hat vollkommen unerwartet vier von vier Backgammon-Spielen
verloren. So hieß es dann für ihn (etws hämisch) „Dishi, Dischi,
Dischiiii“. Kleine Katastrophen, mit den auch ich umgehen musste: Im
Domino gegen Mina 2:1 verloren. Auch keine Heldenleistung. Na ja, aus
meiner Perspektive jedenfalls.

Es stellen sich die ersten Möwen und Seeschwalben ein, vielleicht die
ersten Hinweise auf die Inseln? Ansonsten hat sich die Fauna weitgehend
zurückgehalten. Die letzten Delfine hatten wir vor einer Woche Nachts am
Boot, ein Manta hat uns eng vor sieben Tagen passiert (dierekt an der
Oberfläche). Ansonsten nur fliegende Fische in großer Zahl und
Variation, hier und da eine Sepie und natürlich die Fische am Haken.

Langsam schwenken wir nun auf die Vorbereitung des Landfalls ein: Alle
überzähligen Segel werden aus den Standby-Lagern nun unter Deck
verstaut, die Angeln haben wir eingepackt und morgen kommen Dingi-Motor
und Heckanker aus den Stauräumen ans Licht.

Großes Reinemachen (Boot und Crew) folgt erst nachdem wir am Anker hängen.

Bücher:
Lukas: Hundert Jahre Einsamkeit, Marques
Fritze: Europa, warum wir sind, was wir sind, U.B. Peter
Esteban: On the Origin of Species, Charles Darwin

Musik: Playlist „Netter Pop“

2 Gedanken zu „Pazifiküberquerung: Zielgerade

  1. kai

    Habt ihr denn gar noch keine Haie gesehen? oder erzählt ihr davon nix, damit ihr noch Besucher an Bord nehmen könnt?

    Antworten
    1. AlytesSkipper Beitragsautor

      Haie haben wir tatsächlich noch keine gesehen. Das heisst, nicht auf dem offenen Pazifik. Auf Galapagos haben sie am Abend unter unserem Boot gejagt und ich bin mit einen Haufen Riff- und Hammerhaien am „Kicker Rock“ auf Galapagos getaucht.

      Taugt aber nicht als Abschreckung.

      Herzliche Grüße von den unglaublich gut riechenden Marquesas,
      Fritze

      Antworten

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