Mutprobe für Ankerlieger und Tauchparadies: Das Cabo de Palos

Schon auf dem Schlag von Saidia nach Torrevieja vor fast einem Monat haben wir das Cabo de Palos in den frühen Morgenstunden passiert. Ein raues Kap mit vielen vorglagerten Felsen, einem Leuchtturm und den kleinen Islas Hormigas in nordost. Uns war das Kap vor allem aufgefallen, da es der Karte nach mit den Hormigas ein großes Meeresschutzgebiet bildet. Als wir auf dem Hinweg hindurchfuhren, bekamen wir schnell Besuch von einem Boot der Schutzgebietsverwaltung.

Aber heute wie damals wurden wir nur durch Ferngläser beobachtet, um zu sehen, ob wir eine Angel ausgebracht hätten. Hatten wir nicht.

Heute, auf dem Weg von Torrevieja nach Cartagena, haben wir hier eine Übernachtung eingeplant. Die Karte weist einen schönen, vor dem herrschenden Nordostwind geschützte, Ankerbucht an.

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Wir umrunden also das Kap und bemerken schnell, dass es nicht sehr einfach ist, die Einfahrt zur Bucht zu finden: Die Küste ist sehr zerklüftet. Wir fahren eher nach GPS und Kompass als auf Sicht und finden die Bucht. Sie ist klein. Alytes erscheint uns plötzlich riesengroß. Vor uns eine betonierte Mole, die die Hafeneinfahrt schützt. Steuerbords die Fahrrinne, an Backbord schäumt die See über Felsriffen, die nur bei Flut vom Wasser bedeckt sind. Das Wasser ist etwa acht Meter tief, die Kette muss also lang sein. Der Schwojkreis (der Kreis, den Alytes um den Anker zieht, wenn der Wind sich dreht) entsprechend groß.

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Wir nehmen unseren Mut zusammen und Ankern. Wir müssen einen Kompromiss finden. Zwischen dem Regen (zu Kurze Kette bedeutet, dass der Anker sich leichter losreißte) und der Traufe (ist die Kette zu lang, schwingen wir auch bei haltendem Anker auf ein Riff). Wir könnten einen zweiten Anker ausbringen, wollen es aber so versuchen. Die Leute am Strand schauen zu als kämen wir vom Mars. Recht zügig machen sich eine Mutter und eine Tochter die Mühe zu uns zu schwimmen und uns vor den Riffen zu warnen. Vielen Dank. Auch für die Mühe mit dem Schwimmen. Wir bleiben an 30 Meter Kette (was bei der enge grenzwertig ist) und sehen uns das Städtchen an.

Der Ort ist prima und vor allem für Taucher eine Reise wert. Denn das Schutzgebiet zieht Fische wie ein Topf Marmelade die Fliegen an. Dazu ist der Meeresboden zerklüftet. Einige unterseeische Formationen reichen von 60 Metern bis fast an die Oberfläche. Es scheint mindestes sechs Basen zu geben. Entsprechend sind die Gäste hier eher jung und ziemlich relaxed. Der Stickstoff im Blut entspannt offenbar ganz hervorragend.

Den Mittelpunkt bildet der winzige „Innenstadthafen“. Durch eine sehr kleine Anfahrt kommt man um die Betonmole, fährt durch einen Kanal und landet im Hafenbecken mitten in der Stadt. Die Cafés und Lädchen liegen direkt am Wasser. Besser wird es eigentlich nicht. Wir finden kaum einen Platz für unser Dinghi, so sehr drängen sich hier die Tauch- und Segelboote. Im Ort gibt es einen sehr guten Fischverkauf (direkt aus der Umgebung – nein, nicht aus dem Schutzgebiet), einen ordentlichen Supermarkt und einen tollen Bäcker mit weltklasse Apfelkuchen, der unseren Nachmittag perfektioniert. An der Einfahrt findet sich eine Tankstelle und eine knackige Zoll-Crew mit ihrem schnittigen Rodman 55-Boot.

Als wir zurückkommen, liegt Alytes noch immer am Anker, es ist Wasser unter den Kielen und wir haben noch zwei Bootslängen bis zum jetzt sichtbaren Riff. Alles ist gut.

Cabo de Palo ist mit seiner Natur, seiner zurückhaltenen Bebauung und seiner entspannten Atmosphäre eine willkommene Abwechslung nach der touristisch geprägten Küste weiter nördlich. Für Taucher ein großartiges Ziel. Und Mutige können auch mit größeren Booten vor dem Hafen ankern.

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