Antike trifft authentisches Spanien: Cartagena

Cartagena ist auf unserer Tour entlang der südspanischen Küste das erste städtische Highlight. In Cartagena trifft die karthargisch – römische Vergangenheit auf die nicht immer rosige Gegenwart des spanischen Lebens auf dem Plateau der Eurokrise.

Die Gegensätze von Aufbruch und gelungener historischer Konservierung, von erfolgreichen Investitionen im Zentrum und raueren, von bröckelndem Jugendstil geprägten Vierteln, ist eine erholsame Abwechslung. Denn bisher haben wir fast nur zu grotesken Betonwüsten aufgeblasene Fischerdörfer kennengelernt. Dazu Orte, die offenbar nur für die Sommersaison leben, um im September in einen staubigen Restjahresschlaf zu fallen.

Schon zehn Meilen vor der Hafeneinfahrt begrüßt uns eine Fliegerstaffel. Fünf Düsenjets erinnern uns in einer zehnminütigen Show, dass Cartagena der wichtigeste Marinestützpunkt der Spanier im Mittelmeer ist. An der Küste nimmt die Dichte der Radaranlagen deutlich und immer häufiger ducken sich Bunker aus verwittertem Beton in die Spalten zwischen den Klippen.

IMG_1135

Den Hafen in der Bucht teilen sich Handels-, Kriegs- und Sportschiffe. Wir müssen an den beiden anderen Nutzergruppen vorbei, um in den großen, sehr katamaranfreundlichen „Yacht Port Cartagena“ zu gelangen. Dass die Bucht schon seit den Karthargern als See- und Marinehafen genutzt wurde, erkennen wir am Eingang der Bucht: Zu beiden Seiten finden sich Wehranlagen vieler Epochen, die letzten aus dem zweiten Weltkrieg, andere aus der Zeit des Bürgerkrieges und der Hochzeit der spanischen Armada. Artelleriestellungen oder einfach Luftschutzbunker, in denen die Bewohner der republikatischen Hochburg Cartagena die Luftangriffe der Froncos zu überstehen hofften.

Vorbei geht es auch an Containerterminals zwischen Schüttgutfrachtern und am Ende einigen Marinebooten (es ist erstaunlich wenig los).

Wir haben uns zwei Nächte im Hafen gegönnt, um die Stadt zu erkunden. Großartig war das Museum für Unterwasserarchäologie. Sehr lebendige Präsentation der Arbeit von Unterwasserarcheologen, Fundstücke, Geschichten und vieles zum Ausprobieren und Anfassen. Eine echte Empfehlung vor allem auch für Kinder.

Ebenfalls wunderbar die Spaziergänge vom gelungen renovierten Hafenboulevard durch das erneuerte und strahlende Zentrum bis in die äußeren Viertel. Hier sind die Häuser nicht mehr gepflegt, hier sind viele der Gebäude entkernt aber noch nicht wieder aufgebaut.IMG_1195

 

Die Arbeiten stehen still, die Menschen sitzen in den Cafes und warten, dass die Zeiten besser werden. Eine spannende Mischung aus Migrantenfamilien, Künstlern und Musikern hat sich angesieldet. Es wird sich wohl noch entscheiden, ob die Viertel so bleiben oder die Gentrifizierung hier bald Einzug hält. Wäre schade, denn zur Zeit scheint sich ein Stück Havanna ans Mittelmeer verlaufen zu haben.

Vom Kastell der Stadt hat man einen großartigen Überblick über die Stadt und die Bucht. Der Aufstieg ist anstrengend (wir haben noch immer 32°C), aber unter dem zeitweiligen Schatten von Feigenbäumen erträglich. Die Luft scheint von Grillengezirpe zu schreien. Oben dann Wind und Weite. Unbedingt ansehen.

Die punischen und römischen Hinterlassenschafften sind in Cartagena besonders zahlreich und in Teilen sehr gut museal aufbereitet. Das Highlight ist sicher das römische Theater. IMG_1224

Nicht nur, weil es so gut erhalten ist, sondern weil es in seiner steilen Architektur auch das renovierte Zentrum mit einigen der etwas raueren Viertel verbindet. Ein schöner Spaziergang. Wir haben uns zudem einen römischen „Straßenblock“ mit Therme, Tempel und Gästehäusern angesehen.

Für alle, die von Museen nicht genug bekommen können, gibt es in Cartagena etwas über die Wehranlagen, die Luftschutzbuker, die punische Mauer, die byzantinische Mauer, einge Häuser des Architekten Victor Beltrí, das römische Stadtmuseum und vieles mehr.

Uns hat die authentische Lebendigkeit der Stadt beeindruckt (zugegeben, wir waren nach den Wochen im Norden etwas entwöhnt). Das Umland haben wir nicht erkundet, obwohl es mit seiner alten Bergbaulandschaft spannend sein soll.

Noch einige Infos zum Hafen:

Wir haben im Yacht Port Cartagena pro nacht 42 Euro Liegegebühr gezahlt. Für das WLAN nochmal 1 Euro. Es gibt sehr gute Duschen / Sanitäranlagen und ein Waschsalon. Ansonsten findet das „nautisch-soziale“ Leben wohl eher im benachbarten Club Nautico statt. Hier reihen sich die Restaurants aneinander, hier kann man sein Boot von den Spaziergängern fotografieren lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.